VisualPoetry
Wie in den letzten Jahren wurde das Plakatmotiv für poetry on the road 2008 von einem Computerprogramm generiert. Das vom Gestalter und Programmierer Boris Müller entwickelte Programm wertet die Gedichte des Festivals aus und verwandelt sie in eine abstrakte Grafik.
In diesem Jahr basiert die Grafik auf einer älteren Arbeit von Boris Müller - dem "Fast Faust"-Plakat. Dieses Plakat enthält den gesamten Text des "Faust" von Goethe. Die Worte im Text wurden nach Häufigkeit geordnet und skaliert. Das häufigste Wort "und" ist also das größte Wort und befindet sich an erster Stelle, gleich gefolgt von "ich", "die", "der", "nicht", "das" usw. bis man schließlich zu den Worten gelangt, die nur einmal im Text auftauchen.
Diesem Prinzip liegt auch das Plakatmotiv von poetry on the road 2008 zugrunde - die Worte selbst bleiben in der Grafik aber unsichtbar. Die Worte jedes einzelnen Gedichts werden auf einer Zeile nach Häufigkeit geordnet und skaliert. Im zweiten Schritt werden dann die Worte, die in mehreren Gedichten auftauchen, durch rote Linien verbunden. Die roten Linien vermitteln also einen Eindruck von der Frequenz, mit der ein Wort über verschiedene Gedichte hinweg erscheint. Worte, die nur einmal auftauchen, werden mit einem x gekennzeichnet.
Das Plakatmotiv von poetry on the road 2008 ist also eine sachliche Darstellung bestimmter textimmanenter Strukturen.
Hier können Sie eine interaktive Version von VisualPoetry 2008 ausprobieren. Um die Grundprinzipien zu verstehen, müssen Sie einfach nur lostippen, sobald das Programm geladen ist. Anders als in den letzten Jahren fangen Sie aber nicht mit einem leeren Bild an. Im oberen Bereich des Bildes befinden sich schon einige Texte, die als Bezugssystem dienen. Die erste Zeile enthält die hundert häufigsten Worte der deutschen Sprache, in den folgenden drei Zeilen sind drei berühmte Gedichte codiert. Viel Spaß beim Ausprobieren!
