Grußwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das anhaltende Interesse an der Poesie ist ein gutes Zeichen: In Zeiten inflationär versendeter Kurznachrichten wollen Menschen immer noch Texte lesen, die sorgfältig und mit Bedacht geschrieben wurden und ihnen Aufmerksamkeit abverlangen. Das Gedicht verlangt höchste Präzision – beim Schreiben und Lesen. Ganze Welten können sich auf wenigen Zeilen eröffnen, wenn man sich auf sie einlässt, sie mit Ruhe studiert, weiterdenkt, immer wieder neu befragt.

Dass Sprache ein unverzichtbares Mittel zum Austausch und zur Erkenntnis ist, wird uns momentan besonders bewusst, weil viele Menschen zu uns kommen, die Deutsch lernen müssen, um sich hier einzuleben. Wie visionär das Konzept von ›poetry on the road‹ von Beginn an war, zeigt sich heute deutlicher denn je: Hier treffen Lyriker und Lyrikerinnen, Leserinnen und Leser aus vielen Nationen und Sprachräumen zusammen, um sich gemeinsam an der Literatur zu erfreuen. Jeder Text wird zuerst in seiner Originalsprache vorgetragen, bevor er in der deutschen Übersetzung zu hören ist. Das schult das Ohr für den besonderen Klang und Rhythmus jeder Sprache, macht neugierig auf die Bedeutung der Worte.

Die Veranstalter und Veranstalterinnen haben es immer wieder geschafft, berühmte Künstlerinnen und Künstler nach Bremen zu holen, ebenso Stimmen, die es noch zu entdecken gilt; dieses Mal sind es 33 aus aller Welt. Mit dabei sind Connie Palmen aus den Niederlanden, Reiner Kunze, die Autoren- und Musikergruppe FÖN, der große polnische Dichter Adam Zagajewski, Simon Armitage aus England, Ulrike Almut Sandig aus Deutschland, Hinemoana Baker aus Neuseeland und die neue Peter-Huchel-Preisträgerin Orsolya Kalász aus Ungarn. Kontinuierlich wurde das Programm um neue Vortragsformen ergänzt, erfolgreich, wie die Resonanz der jungen Menschen zeigt. In diesem Jahr wird zum ersten Mal eine Internationale Poetry-Slam Gala ausgerichtet.

Ich danke allen für ihren Einsatz und wünsche ihnen viel Erfolg.

Ihr Bürgermeister Dr. Carsten Sieling,
Präsident des Senats, Kultursenator